Afghanische Musik: Ein Hörführer durch Rubab, Ghazal, Attan und regionale Traditionen
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Kapitel 03

Die Rubab und andere afghanische Instrumente

Die afghanische Instrumentenwelt lebt von Oberflächen: Haut, die über Holz gespannt ist, Saiten aus Darm oder Metall, gestrichene Klangkörper, hölzerne Rohrblätter und Trommelfelle, die mit Händen oder Stöcken angeschlagen werden. Jedes Instrument prägt bereits den Raum, ehe die Melodie ganz eingesetzt hat.

Die Rubab: Holz, Haut und Resonanz

Die Rubab – auch Rabab, Rebab oder Rubāb geschrieben – ist eine gezupfte Kurzhalslaute mit fellbespannter Decke. Afghanische Bauformen verbinden in der Regel Melodiesaiten, Bordunsaiten und Resonanzsaiten. Ein gezupfter Ton setzt kurz und perkussiv ein, weckt dann die darunterliegenden Saiten und hinterlässt einen hellen Schimmer in der Luft. Schnelle Anschläge können das Instrument förmlich anschwellen lassen; Verzierungen verwandeln eine kurze Phrase in Sprache; Borduntöne halten den tonalen Grund selbst in kunstvoll verschlungenen melodischen Passagen gegenwärtig.

Das Handwerk ist von diesem Klang nicht zu trennen. Ein Instrumentenbauer schnitzt den Holzkorpus, zieht die Haut auf, formt Steg und Wirbel, wählt die Saiten und fügt mitunter schmückende Einlegearbeiten hinzu. Veränderungen an Material und Proportion beeinflussen Ansprache und Balance. Keine einzelne Werkstatt steht für jede afghanische Rubab, doch die enge Partnerschaft von Instrumentenbauer und Spieler ist in jedem klaren Anschlag und jedem Echo der Resonanzsaiten zu hören.

Ustad Mohammad Omars Virtuoso from Afghanistan bewahrt seinen Konzertauftritt 1974 in Seattle mit dem Tabla-Spieler Zakir Hussain. In „Emen / Tintal“ lässt eine metrisch freie Eröffnung die plastisch geformten Phrasen und das Mitschwingen der Rubab zunächst allein hervortreten, ehe der feste Puls einsetzt. Homayun Sakhis Album The Art of the Afghan Rubab von 2006 beginnt in erheblich größeren Dimensionen: „Raga Madhuvanti“ dauert mehr als dreißig Minuten und verbindet sein dichtes, brillantes Spiel der rechten Hand mit der Tabla von Salar Nader. Nebeneinander gehört, zeigen die Aufnahmen Kontinuität ohne Gleichförmigkeit: dasselbe Instrument auf verschiedenen Bühnen, in anderer Akustik und in wechselnden musikalischen Dialogen.

2024 nahm die UNESCO die Kunst des Bauens und Spielens der Rubab beziehungsweise Rabab nach einer gemeinsamen Nominierung Afghanistans, Irans, Tadschikistans und Usbekistans in ihr Verzeichnis auf. Diese länderübergreifende Anerkennung entspricht dem weiten regionalen Leben des Instruments. Die Rubab besitzt in Afghanistan eine besonders ausgeprägte Geschichte; verwandtes Handwerk und verwandte Aufführungspraxis gehören zugleich zu mehreren benachbarten Kulturen.

Langhals- und Streichlauten

Die Namen Dutar, Dambura und Tanbur kommen in einem weiten geografischen Raum vor, doch ihre afghanischen Ausprägungen haben lokale Biografien. Bei der Herater Dutar sind im Lauf der Geschichte Veränderungen der Besaitung, Spieltechnik und des Repertoires belegt. Die Dambura erklingt im Norden Afghanistans, in Badakhshan, Hazarajat und in den Musikkulturen weiterer Gemeinschaften; ihre sparsame gezupfte Textur trägt Gesang ebenso mühelos wie instrumentale Muster. Was als Tanbur bezeichnet wird, wechselt nach Ort und Epoche. Die Umrisse der Instrumente mögen verwandt erscheinen, doch Saitenzahl und -material, Stimmung, Bewegung der rechten Hand und musikalische Funktion verhindern, dass sie untereinander austauschbar werden.

Mit Ghichak und Sarinda kommt der Bogen ins Ensemble. Auch diese Familiennamen umfassen Instrumente, die sich in Bauform, Besaitung und regionaler Verwendung unterscheiden. Neben dem rasch verklingenden, präzisen Ton gezupfter Lauten kann ein gestrichener Klang eine rauere, anhaltende Linie ziehen. Fotografien und Maße helfen, die Bauformen auseinanderzuhalten; erst auf Aufnahmen ist zu hören, wie Musikerinnen und Musiker ihnen im jeweiligen lokalen Stil Atem verleihen.

Rhythmus, Bläser und Ensemblefarben

Die Tabla gewann in der Kunstmusik und den populären Ensembles von Kabul und Herat an Bedeutung, besonders dort, wo Musiker mit einer von Raga und Tala geprägten Praxis arbeiteten. Das Trommelpaar kann den Puls ebenso artikulieren wie einen fein abgestuften rhythmischen Dialog. Die Zerbaghali, eine Bechertrommel, setzt in anderen Ensembles einen prägnanten, von Hand gespielten Puls. Rahmentrommeln wie Daf oder Daireh begleiten häuslichen Gesang, regionale Repertoires und Darbietungen von Frauen; ihr breites Fell reicht klanglich vom sanften Herzschlag bis zum hell klingenden Akzent.

Bei Tänzen und Zeremonien im Freien können zweifellige Trommeln und Doppelrohrblattinstrumente dem Klang eine ganz andere Dimension geben. Bezeichnungen wie Dhol, Dül, Sornai und Zurna verweisen auf regionale Varianten. Die Trommel gibt Gewicht und Vorwärtsdrang, das Rohrblattinstrument durchdringt mit seiner schneidenden Melodielinie den offenen Raum. Beim Attan verzahnen sich Rhythmus und Tanz immer enger, während Tempo und kollektive Bewegung zunehmen.

Das Harmonium fügt eine andere Textur hinzu: anhaltende Zungentöne unter einer Stimme oder einer führenden Melodielinie. In Kabul, Herat und einigen nordafghanischen Ensembles wurde es zu einem wichtigen Instrument und fand mühelos Eingang in Kunstmusik, Ghazal und populären Gesang. Neben Tabla und Stimme kann es eine ausgedehnte melodische Entfaltung stützen; neben lokalen Lauten tritt seine importierte Konstruktion in ein Gespräch mit afghanischer Praxis.

Ein afghanisches Ensemble verrät daher mehr als jede Instrumentenliste. Man höre, wie sich die scharfe Kontur der Rubab gegen die Tabla abhebt, wie ein Harmonium unter gesungener Dichtung den Ton hält, wie eine Rahmentrommel einen intimen Raum verändert oder wie Dhol und Rohrblattinstrument im Freien die Bewegung ankündigen. Erst in diesen Beziehungen werden Instrumente zu Traditionen.